Damals waren es Flugblätter, heute sind es die Social Media

Er ist in den Social Media derzeit weit verbreitet und es scheint, als gäbe es keinen Weg um ihn herum, der Vagina-Content! Doch was verbirgt sich hinter dem Social Media Phänomen 2017? 

Es handelt sich bei diesem Phänomen um einen Trend, basierend auf einer neuen Form des Feminismus mit dem Ziel das Schamgefühl abzulegen und Tabuthemen mit Offenheit zu begegnen. Es dreht sich um Zensurkritik und Meinungsfreiheit, Sexismus und die Rolle der Frau. Stellt sich nur die Frage, wie wird der Vagina-Content heute dargestellt?

Häufig sind es Inszenierungen weiblicher Attribute, beispielsweise eine Papaya als Sinnbild einer Vagina, Brüste auf Shirts oder Blumen als Schambehaarung. Es ist eine sowohl künstlerische, als auch humorvolle Bildsprache Frauen ein neues, gesundes Körperbewusstsein zu vermitteln.

Feminismus existiert bereits seit Jahrhunderten

Der Stolz des Frauseins wird mit allen Vor- und Nachteilen inszeniert, kurzum auch mit Menstruationsblut und Blasenentzündungen, denn ob wir es wollen oder nicht, das gehört nunmal für jede von uns dazu. Doch wie sagte die amerikanische Sexualforscherin Emily Nagoski so schön? „It’s all beautiful, it’s all normal.“

Damals waren es Flugblätter, heute sind es die Social Media

Dennoch schämen wir uns für unseren Körper und eine totale Gleichberechtigung der Frau existiert auch heute noch nicht. Es gab sicherlich viele Auslöser für diese neue Feminismuswelle mitverantwortlich die Skandale um die feministische, regierungskritische Punkrock-Band Pussy Riot, die sich gegen Putins Zensur auflehnt oder aber das sexistische Frauenbild eines Donald Trumps, das uns nur mit den Köpfen schütteln lässt.

Der Vagina-Content…

…ist in jeglichen kulturellen Spaten zu finden, Design, Kunst, Musik, etc., wir gehen zum Womens March und tragen Pussy Hats. Er polarisiert und genau deshalb kommen wir nicht um ihn herum. Die Umsetzung ist einerseits ansprechend, andererseits abschreckend. Es ist eine neue Ästhetik Tabuzonen zu inszenieren und diese Tabus damit provokant zu brechen. Das spannende an diesem Thema, es gibt niemanden der keine Meinung dazu hat.

Jeder hat eine und kann sich in die Diskussionen rund um den Vagina-Content einmischen.

Eine lange Geschichte bis heute!

Es wird als eine Feminismuswelle beschrieben, doch Feminismus ist keinesfalls eine Neuerscheinung des Jahres 2017. Der Feminismus existiert bereits seit Jahrhunderten. Erste Ideen des Feminismus publizierte Marie Le Jars de Gournay, die bereits im 17. Jahrhundert die Menschenrechte proklamierte. Von einer ersten Feminismuswelle sprach man Mitte des 19. Jahrhunderts.

1910 pochte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf „Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte.“, daraufhin gingen Frauen in Deutschland, Dänemark, der Schweiz und in Österreich auf die Straße und fingen an für die Gleichberechtigung der Frau in der Politik, durch Einführung des Frauenwahlrechts zu kämpfen. Natürlich hat sich seitdem einiges geändert, wir dürfen wählen, dürfen unsere Meinungen frei äußern und die Emanzipation hat ihren Lauf genommen.

Uneingeschränkte Selbstbestimmung

Nur was genau möchten die Produzenten des Vagina-Contents, für welches Frauenbild stehen sie? Es ist kein neues Frauenbild, zumindest keines im herkömmlichen Sinne, sondern eher ein Gefühl das transportiert wird und sich für die Abschaffung eines generellen Frauenbildes einsetzt. Es geht um uneingeschränkte Selbstbestimmung und das Auslöschen des Schams vor dem eigenen Körper. Ob wir zu viel Vagina-Content produzieren?

Nein! Richtig, ganz einfach nein, denn solange es Menschen gibt, die sich beim Anblick dieser Inszenierungen ekeln oder es Unbehagen in ihnen auslöst, ist die Botschaft noch nicht angekommen.

In diesem Sinne, Vagina Forever! 

 

Geschrieben von Rebecca Quack, Maj- Britt Kreft und Lucas Stollenwerk

© Rebecca Quack, Maj- Britt Kreft und Lucas Stollenwerk