Ein Entwicklungsland im internationalen Mode-Durchbruch

Wir alle kennen die Mode-Metropolen dieser Welt: London, Mailand, Paris, … Aber was ist, wenn junge, kreative Talente aus Entwicklungsländern sich europäisch behaupten möchten?

Durch ein deutsches Hilfsprojekt, bei dem das Fashion Design Institut (FDI) das Modern Ethnic Design Center (MEDC) in Phnom Penh aufgebaut hat, haben wir die Möglichkeit, intime Einblicke in die Welt aufstrebender, asiatischer Designer zu bekommen.

Anne Lonnes, Absolventin des FDI und Leiterin des MEDC, unterrichtet derzeit 14 Teilnehmer eines Design Kurses. Schwerpunkt ist das bewusste Verarbeiten von nachhaltigen Materialien und das Verbinden von kambodschanischen Traditionen mit europäischen Standards.

© Anne Lonnes

Aber was genau ist überhaupt der Unterschied zwischen asiatischer und europäischer Mode?

Während der Europäer sich seinen Alltag möglichst komfortabel und funktionell zurecht legt, lieben die Kambodschanerinnen verspielte, figurbetonte Kleidung. Schnitte mit vielen Abnähern und Teilungsnähten betonen die weiblichen Rundungen und lassen die Frau in einem sehr femininen, attraktiven Licht stehen. Nicht umsonst geben die Damen der Nation gerne auch mal ein paar Kröten mehr für maßgeschneiderte Mode aus. Und das nicht nur für Festlichkeiten – Nein! Kambodschanische Frauen lieben den alltäglichen Auftritt und stehen zu ihrer Tradition, ihrem Körper und ihrem Ansehen. Wohingegen die Europäer ein Auge für Funktionalität und interessante Details im Design haben. Man bevorzugt gedeckte Farben und putzt sich meist nur für berufliche oder förmliche Anlässe heraus.

© MEDC

Gibt es sowas wie Bayerische Trachtenmode auch in Kambodscha?

Im Kambodscha gibt es auch Trachtenmode. Diese ist aber keineswegs altbacken oder zu einem riesigen Bierfest herangewachsen. Die Asiatinnen lieben lange Seidentücher in allen erdenklichen Farben und Mustern. Sie werden aufwendig und raffiniert um die Taille gebunden und mit einem passenden Oberteil oder Schal kombiniert. Sehr modern und wandelbar – Ein Trend, den man sich auch in Deutschland gut vorstellen könnte, denn welche Frau liebt nicht ihren XXL Schal im Winter?

© Khmer Artisanry

Wie bringen asiatische Designer unsere Vorlieben in ihre Kollektionen ein?

Die Entwürfe der Designer sind allesamt sehr individuell und kreativ. Sei es das Material oder das Design selbst. Keine Kollektion gleicht der anderen. Die Mode ist zeitlos, alltagstauglich und individuell kombinierbar. Der kulturelle Einfluss ist in den Entwürfen genau mit dem richtigen Maß ersichtlich und auf den ethnischen, qualitativ hochwertigen und internationalen Kundenbedarf ausgerichtet. Stoffe und Accessoires werden von lokalen Unternehmen bezogen und unterstützen somit traditionelle Betriebe. Das regelmäßige Einkommen speziell für Frauen aus ländlichen Provinzen wird somit gesichert.

© Khmer Artisanry | Wattahn Artisans | Khmer Artisanry

Vom Entwicklungsland auf die internationalen Laufstege

Im November 2017 werden die fünf besten Teilnehmer des MEDC Design Kurses ihre Kollektionen auf der Messe Bazaar in Berlin präsentieren. Ein Entwicklungsland auf dem Weg zum internationalen Durchbruch in der Modebranche! Das spannende Projekt wird von der Messe Berlin, dem Fashion Design Institut in Düsseldorf, dem Raffles International College in Phnom Penh, suPPPort ltd. und der Deutschen Botschaft unterstützt.

© MEDC

 

Beitragsfoto: © Khmer Creations | Cam Arts