Zwischen Skalpellen und Spritzen die Liebe zur Fotografie

Wir leben im ständigen Wandel – Doch wie passen Hirnchirurgie und Kunst unter einen Tisch?

Wie gerne stöbern wir durch Zeitungen oder Social Media und finden zufällig neue, spannende Charaktere, die man längst hätte entdecken müssen. So ist es auch mit Dennis Schneider. Er lebt in Bonn und ist eines der aufstrebenden Talente der Fotografie. Erst seit 1,5 Jahren widmet er sich intensiver seinem Hobby und kann bereits jetzt Bände sprechen!

Wir haben ihn persönlich getroffen. 

Vom OP ins Fotostudio

Lieber Dennis, als Medizinstudent verfolgst du Ziele, die fernab von Mode oder Fotografie sind. Wie bist du zur Fotografie gelangt?

Dennis: Fotografiert habe ich eigentlich bereits vor dem Studium. Damals hatte ich mir eine Einsteiger-Spiegelreflex gekauft und hatte nicht ansatzweise eine Idee, was ich nun damit anstellen sollte. Mein Anspruch war, die Technik hinter dem Bild zu verstehen, daher war es mir von Anfang an wichtig manuell zu fotografieren. Vor gut einem Jahr hat es mich dann doch noch einmal gepackt: Durch Zufall bin ich dann zum Bereich Fashion und Beauty gelangt. Ob ich mich aber nun für den Rest meines Fotografen-Daseins in diesem Bereich bewegen werde, oder ob ich irgendwann wieder Blumen und Bäume knipse, weiß ich noch nicht. Das ist ja das Schöne an der Kunst: Man weiß nie wohin die Reise für einen geht. Ich denke, es ist wichtig, sich nicht all zu sehr von äußeren Einflüssen lenken zu lassen und einfach das zu tun, was einem in dem Moment den meisten Spaß bereitet.

Design: Eugenia Singer

Du hast bereits mit einigen Studenten des Fashion Design Instituts zusammen gearbeitet. Was begeistert dich speziell an der Modebranche und was ist das Besondere an der Zusammenarbeit mit Jungdesignern?

Dennis: Ich hatte letztes Jahr Kontakt zu einem super genialen Kölner Fotografen, der eben auch viel Fashion macht. Wir waren dann zusammen unterwegs. Das hat mich inspiriert. Editorials zu fotografieren war irgendwie so anders als die Portraits, die ich bis dahin hauptsächlich gemacht hatte. Die Fotografie war viel anspruchsvoller, und mit mehr Arbeit in Hinblick auf Licht, Bildkomposition und Szenerie verbunden als ich das bis dahin kannte. Ich habe dann auf eigene Faust Kontakt mit einer FDI Absolventin aufgenommen und durfte eine ihrer Kollektionen fotografieren. Ich finde die Leistungen der Jungdesigner einfach sehr beachtlich. Ich selbst würde mir selber nie diese Kreativität zutrauen, die sie in ihren Arbeiten niederlegen. Das zu fotografieren ist zum Einen eine gewisse Ehre, aber eben auch ein gutes Stück Verantwortung. Für mich ist es oft nicht leicht den Kontext der Kollektionen zu verstehen. Wenn der Groschen irgendwann bei mir gefallen ist, ist es dann eine umso größere Herausforderung die Idee des Designers aufzunehmen und in die Bilder einfließen zu lassen. Zeitgleich verliere ich aber natürlich nicht meinen persönlichen Anspruch dabei, meinen eigenen Stil mit einzubringen. Das ist in der Summe manchmal komplexer als so mancher Knochenbruch sonntagsabends in der Notaufnahme.

Design: Lilah Weiss

Egal, hauptsache frei

Wow, das klingt ja alles sehr aufregend! Verrätst du uns, was dein größter Erfolg in deiner bisher jungen Karriere ist und worauf du aufbauen möchtest?

Dennis: Vielleicht ist es ein schöner Erfolg, dieses Interview geben zu dürfen. Auch angenehm ist die Tatsache, dass ich mir nicht mehr so einen abmurksen muss, um gute Modelle für freie Arbeiten zu gewinnen. Ich glaube es ist einfach ein schöner Erfolg so langsam anerkannt zu werden. Ich weiß schon, dass ich ein kleines Licht bin und all zu hell möchte ich auch gar nicht leuchten. Aber so hell, dass andere hinsehen. Blenden möchte ich dabei aber keinen. Es ist ein Miteinander.

Design: Alina Lorenz

Erzähl doch mal, wie sieht deine Zukunft aus? Wirst du die Fotografie auch nach deinem Studium weiterführen oder sogar hauptberuflich anstreben?

Dennis: Also wenn ich weiterhin fleißig meine Prüfungen bestehe, werde ich in wenigen Jahren Hirnchirurg sein. Das sind in der Regel Ärzte, die sehr viel zu tun haben. Zeitgleich bin ich auch noch gesellschaftlich recht aktiv. Gut möglich, dass ich eventuell mal Wege in der Politik beschreiten werde. Vielleicht auch nicht. Das halte ich mir so lange offen, wie ich mich nicht aktiv entscheiden muss. Ich glaube daran, dass sich die besten Wege von alleine ergeben. Ich möchte Fotografie gerne weiter ausüben und weiterkommen, in dem was ich tue. Aber ich möchte eben nie davon leben müssen und möchte selber entscheiden können, was und wie ich fotografiere. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht träume. Es spricht nichts dagegen, wenn ich vielleicht in ein paar Jahren tagsüber im OP stehe und dann abends Bilder mache, die vielleicht mal in der Vogue zu sehen sind, oder? Ist vielleicht nicht der typische Werdegang, aber „typisch“ verlief mein Leben bisher in den wenigsten Momenten.

Wir sagen DANKE …

Lieber Dennis, bei so viel Herzblut und Leidenschaft können wir uns nur verbeugen. Wir sind uns sicher, dass du deinen Weg gehen wirst – Sei es in der Mode oder in einem anderen deiner spannenden Bereiche. Und wer weiß, vielleicht erfüllt sich dein Traum eines Tages, in der Vogue zu sein! Wir wünschen dir viel Erfolg für all deine Ziele und bedanken uns für das spannende Interview!