Fashion Designer müssen die Namen der besten Fotografen kennen

Eins ist klar: Fashion Designer müssen die Namen der besten Fotografen kennen. Sebastian Luedtke ist einer unserer Lieblings-Fashion-Fotografen aus Düsseldorf.

Seit über zwei Jahren arbeitet er mit der Newcomer Designerin Tu Ahn Nguyen zusammen. Dabei sind immer tolle Fotos entstanden. Auch die Abschlusskollektion der Jungdesignerin hat Sebastian geshootet. In einem spannenden Interview verrät er uns so einiges über seinen Job und seine Leidenschaft zur Fotografie.

Inna: Was bedeutet es für dich Fotograf zu sein? 

Sebastian Luedtke: In erster Linie bedeutet es, auf keinem Foto drauf zu sein – Was manchmal auch besser ist. Im Ernst: Es bedeutet für mich, interessante Leute so kennenzulernen, wie es in einer ganz kurzen Zeit nur durch Fotografie möglich ist. Idealerweise schaffe ich es, meine Sicht auf diese Menschen mithilfe der entstandenen Bilder an die Betrachter weiterzugeben.

Inna: Ist deine Leidenschaft zur Fotografie nur ein Hobby oder auch mehr?

Sebastian Luedtke: Seit 2014 betreibe ich die Fotografie gewerblich, allerdings nebenberuflich. Hauptberuflich arbeite ich als Art-Direktor in einer Werbeagentur. Nach Feierabend widme ich mich meinen eigenen Projekten. Somit habe ich eigentlich rund um die Uhr mit Bildern und Gestaltung zu tun. Dadurch, dass Fotografie nicht meine Haupteinnahmequelle ist, habe ich die finanzielle Freiheit, nur Sachen zu fotografieren, die mich wirklich interessieren und kann viele freie Strecken umsetzen. Selbst in meiner Freizeit habe ich immer eine Kamera dabei, auch wenn ich nur irgendwo einen Kaffee trinken gehe.

Inna: Jeder Fotograf hat ein Markenzeichen, das man in jedem Bild wiederfindet. Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Sebastian Luedtke: Ich weiß gar nicht, ob ich einen bestimmten Stil habe. Fest steht, ich fotografiere vorzugsweise in Schwarz-Weiß und es gibt gewisse Details, auf die ich achte. Ich arbeite zum Beispiel gerne mit viel Körnung. Hin und wieder fotografiere ich auch analog. Die klassische Form der Arbeit mit Film hilft mir dabei, auch digital bewusster zu fotografieren. Generell versuche ich meine Bilder möglichst natürlich wirken zu lassen. Der Inhalt des Bildes ist mir dabei wichtiger, als die vermeintlich perfekte technische Umsetzung dessen. Das ist mir auch beim Posing wichtig. Eine natürliche Körperhaltung ist mir oft lieber, als eine antrainierte Pose. Ich versuche den Menschen so zu fotografieren, wie ich ihn in der Situation wahrnehme. Auch wenn das bedeutet, dass ich denjenigen manchmal anders fotografiere, als er sich selbst fotografieren würde.

Inna: Ich habe gehört, dass du mit einigen Studenten vom Fashion Design Institut zusammenarbeitest. Wie kommt es dazu? Schaust du erst, ob dir die Outfits gefallen oder vielleicht, ob die Konzepte dich ansprechen?

Sebastian Luedtke: Ich freue mich grundsätzlich immer, wenn ich mit kreativen Menschen zusammenarbeiten darf. Zunächst lasse ich mir von den Studenten das Konzept erklären. Wenn die Möglichkeit besteht, schaue ich mir auch die Outfits an. Diese ersten Schritte sind hilfreich, um festzustellen, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist, oder aber, ob sich ein Kollege besser dafür eignet. Wichtig ist, dass die Vorstellungen vom Ergebnis nicht zu weit voneinander abweichen. Meine Fotos sollen das Design komplementieren und andersrum. Im schlimmsten Fall stehen sich die Ideen im Weg und führen so auch nie zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Wenn man in die gleiche Richtung denkt, macht die Zusammenarbeit unheimlich viel Spaß. Man agiert als Team und schafft etwas, von dem man weiß, dass es ohne den bzw. die Anderen nie so gut geworden wäre.

Inna: Du arbeitest mit der Studentin Tu Anh Nguyen, die ihr Label „Secmec“ nennt, seit einigen Jahren eng zusammen. Eure Stile in Fotografie und Design scheinen super zu harmonieren. Würdest du sagen, dass ihr euch als Team weiterentwickelt habt und wenn ja, in welche Richtung?

Sebastian Luedtke: Tu Anh war die erste FDI-Studentin, mit der ich zusammenarbeiten durfte. Durch die Zusammenarbeit über mehrere Jahre, entstand ein Vertrauensverhältnis, das uns beide voranbrachte. Wir haben uns beide weiterentwickelt. Ihre Arbeit ergänzte meine und andersrum. Wir beide sind stets bei dem geblieben, was uns wichtig war. Das Besondere an unserer Zusammenarbeit ist, dass wir nie Kompromisse machen mussten und dadurch immer zu einem Ergebnis kamen, mit dem wir beide zu einhundert Prozent zufrieden waren.

Inna: Auf deiner Seite hast du sehr viele Schwarz-Weiß-Portraits. Warum ausgerechnet Schwarz-Weiß? Ist das der Grund, wieso das Shooting der Kollektion von Tu Anh Nguyen zwar minimalistisch geblieben, aber dennoch ein neuer Stil zu erkennen ist?

Sebastian Luedtke: Im Sommer 2016 stand ich vor meinem persönlichen Kreativ-Tief. Es fehlte nicht mehr viel und ich hätte hingeschmissen. Obwohl es beruflich und privat nicht hätte besser laufen können, mangelte es mir an Inspiration. Ich war unzufrieden und gelangweilt. Gelangweilt von meinen eigenen Arbeiten und denen, die mich bis dato inspiriert hatten. Als Lösung, um aus dem Tief wieder herauszukommen, wählte ich den Neuanfang. Dazu habe ich mich, ganz im Sinne des Minimalismus, von allem Überfluss getrennt, um mich besser auf die Dinge konzentrieren zu können, die mir wirklich wichtig sind. Ich habe mich selbst zu einer reduzierten Arbeitsweise gezwungen. Weniger Technik, weniger Drumherum. Stattdessen konzentrierte ich mich viel mehr auf das Motiv. Tu Ahns Art zu arbeiten ähnelt meiner sehr. Auch sie arbeitet sehr reduziert und gradlinig. Mode, die in Schwarz gehalten ist, lässt sich zudem gut in Schwarz-Weiß fotografieren. Und zwar ohne, dass dem Betrachter irgendeine Information vorenthalten wird. Deshalb passt es so gut.

Inna: Mir kam außerdem der Name „Nutcaze“ in die Ohren. Wenn ich mir jedoch deine Seite anschaue, dann lese ich nur deinen eigenen Namen „Sebastian Lüdtke“ oder nur „Lüdtke“ . Was hat es damit auf sich?

Sebastian Luedtke: Im Zuge meines Neustarts war mir ein Punkt besonders wichtig – Authentizität. Weil meine neuen Bilder die Menschen so zeigen sollen, wie sie sind, möchte auch ich nicht länger unter einem Pseudonym auftreten. Es sind meine Bilder und mein richtiger Name unter dem ich sie veröffentliche. Da „Sebastian Lüdtke“ aber sehr sperrig ist und mich die meisten meiner Freunde nur mit „Lüdtke“ ansprechen, musste dann „@der.luedtke“ für Instagram und Facebook herhalten.

Inna: Was kannst du allen anderen Fotografen mit auf dem Weg geben und vielleicht auch manchen Studenten?

Sebastian Luedtke: Macht es wie Tu Anh. Arbeitet an euch, aber bleibt bei dem, was euch wichtig ist. Hinterfragt eure Arbeit. Und zwar immer und immer wieder. Nehmt Kritik an. Lernt zu filtern, was davon taugt und was eben nicht. Glaubt nicht an alles, was in Lehrbüchern steht. Wenn der Kram so funktionieren würde, wie es darin beschrieben wird, wären wir alle Millionäre. Bleibt bei dem, was euch wichtig ist und zieht euer Ding durch. Es muss nicht immer jedem gefallen. Aber das soll es ja auch nicht.

Inna: Vielen Dank Sebastian für das tolle Interview. Wir wünschen dir weiterhin genauso viel Erfolg und Spaß an deinem Job. Wir haben uns natürlich auch schon eine Website www.sebastian-luedtke.de angeschaut und sind begeistert! Wir freuen uns zukünftig noch mehr von deinen Arbeiten zu sehen.