Das kreative Leben bei Giambattista Valli

Ist es nicht ein großer Traum für jeden jungen Designer bei einem Top Label wie Valli zu arbeiten?

Für Léa Pozzi war es schon immer ein Kindheitstraum. Haute Couture, Luxus, teure Stoffe und kostbare Verzierungen – Die Deutsch-Französin liebt die luxuriöse Mode über alles. Wir haben es uns alle gedacht, die Design-Studentin gehört einfach nach Paris. Mit ihren Lookbooks hat sie sich Anfang des Jahres bei Giambattista Valli beworben und bekam eine Zusage für ein Praktikum.

Giambattista Valli ist einer der großen Sternchen am Fashion Himmel

Seine Haute Couture Kollektionen werden regelmäßig in der französischen Hauptstadt gefeiert. Aber bis zu der großen Show gibt es für das Team unglaublich viel zu tun. Was genau verrät uns Léa in einem Interview.

Inna: Wow Léa, zu allererst möchte ich dir zu dem tollen Job bei Giambattista Valli gratulieren. Ich kann mir gut vorstellen wie nervös du warst, als du deine Bewerbung abgeschickt hast. Erinnerst du dich denn noch an das Bewerbungsgespräch?

Léa: Vielen Dank, Inna ! Natürlich kann ich mich noch daran erinnern – Sehr gut sogar! Ende Oktober bin ich extra nach Paris gereist, um meine Bewerbung persönlich dort abzugeben, da dies meiner Meinung nach mehr Eindruck hinterlässt, als eine Bewerbung per Mail oder ähnliches zu verschicken. Ich hatte Glück, dass die zuständige Person sich die Zeit für ein Bewerbungsgespräch mit mir genommen hat. Ich war sehr aufgeregt, da der Raum in dem das Gespräch stattfand, ziemlich imposant war und ich unbedingt zu Giambattista Valli wollte, was mir zusätzlich Druck gemacht hat. Aber im Endeffekt ist alles gut gelaufen und nach einem weiterem Telefonat mit der Responsable d’Atelier habe ich nach etwa 2 Monaten dann eine Zusage bekommen.

Inna: Wie war denn dein erster Arbeitstag bei Valli? Warst du sehr aufgeregt?

Léa: Oh ja, das war ich ! Ich muss auch zugeben, dass ich über eine halbe Stunde zu früh dort war und nicht einmal mein Frühstück herunterbekommen habe. Aber als ich dann meiner Chefin und dem restlichen Team vorgestellt wurde, war die Aufregung fast wie verflogen, da alle sehr sehr nett waren und sich bemüht haben, dass ich mich dort wohl fühle. Ich habe kurz vor der Fashion Week im März angefangen, daher wurden an meinem ersten Tag schon ein paar Überstunden gemacht.

Inna: Wie können wir uns das Team hinter dem Top Label vorstellen?

Léa: Wie in jedem großem Modehaus gibt es verschiedene Teams – Studio, Atelier, Presse, etc. Ich mache mein Praktikum im Atelier, wo wir anfangs 5 Leute waren: Meine Chefin, ihre Assistentin, eine Modellistin und zwei Praktikantinnen. Je näher die Haute Couture Show gerückt ist, desto mehr helfende Hände kamen ins Team. Am Ende waren wir 14 Personen. Nach der Show sind die meisten allerdings wieder gegangen, sodass wir nun wieder zu 5. waren. Die anderen Teams bestehen meist auch aus 3-5 Leuten.

Inna: Hast du auch mit Giambattista Valli zusammen gearbeitet?

Léa: Ja, das habe ich. Da ich ein Kleid der Kollektion ganz alleine nähen durfte, hatte ich sehr viele Details mit ihm zu klären, z.B. die Saumlänge, Material und Farbe der Schleifen… Eben all das, was dazu gehört. Mir hat es sehr gefallen, dass ich auch nach meiner Meinung gefragt wurde, wenn wir über das Kleid gesprochen haben, auch wenn mir stets bewusst war, dass natürlich Herr Valli der Designer ist und er letztendlich die Entscheidungen trifft.

Inna: Was waren deine wichtigsten Aufgaben?

Léa: Zu meinen wichtigsten Aufgaben hat natürlich das Kleid gezählt, gar keine Frage! Ansonsten durfte ich des Öfteren meiner Chefin und auch Herrn Valli bei den Fittings unserer privaten Haute Couture Kunden assistieren. So hat man einen richtigen Einblick bekommen, wie sowas eigentlich läuft und auch, wie und wer die Kunden sind.

Inna: Du hast das Team bei der Planung und Fertigung der Fall-Winter 2017/18 Haute Couture Kollektion unterstützt?

Léa: Bei der Planung nicht, dafür ist das Studio zuständig. Das Atelier hat sich um die Fertigung gekümmert. Meine Aufgaben waren zum Beispiel Korsagen, Korsetts, Bustiers oder andere Unterkonstruktionen für die Kleider zu nähen und, wenn nötig, den Schnitt zu korrigieren und dementsprechend alles noch einmal zu ändern. Dann natürlich Aufgaben wie Zuschneiden, Drapierungen mit unsichtbaren Stichen per Hand befestigen, Röcke nähen, Schleifen fertigen und so weiter. Gegen Ende lag natürlich meine ganze Konzentration auf meinem Kleid und auf den letzten Retuschen kurz vor der Show.

Inna: Hast du einen Lieblings-Look aus der Kollektion?

Léa: Ja und ich glaube, es ist ganz einfach zu erraten, welchen ich meine.

Inna: Was hast du alles gelernt?

Léa: Ganz ganz viel. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Angefangen mit Tipps, was Zuschneiden, Bügeln und grundsätzlich den Umgang mit verschiedenen Stoffen betrifft, über wie man Korsagen näht, richtig drapiert, verschiedene Handstiche bis hin zu dem kompletten Einblick, wie so ein Modehaus und dessen Fashion Shows eigentlich so funktionieren.

Inna: Kannst du dir vorstellen nach dem Studium bei Giambattista Valli zu arbeiten?

Léa: Direkt nach dem Studium wahrscheinlich nicht, da ich gerne meinen Master machen würde. Aber wer weiß, vielleicht kehre ich danach wieder zu Giambattista Valli zurück, je nachdem was die Zukunft bringt. Ich lass mich einfach überraschen !

Inna: Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Es ist schön zu hören, das du eine schöne und erfolgreiche Zeit in Paris hattest und du dich persönlich und beruflich so weiterentwickelt hast. Am Fashion Design Institut wirst du jetzt deine Abschlusskollektion fertigen. Dafür wünsche ich dir ganz viel Erfolg. Ich bin schon gespannt, mit welchen Designs du uns überraschen wirst.

 

Fotos via ©Instagram // © Léa Pozzi