Fashion Talk mit Balenciaga- & Vetements-Designer Demna Gvasalia

Für viele junge Designer ist er ein echtes Vorbild: Demna Gvasalia!

Als zweiter deutscher Designer hat Demna Gvasalia es nach Karl Lagerfeld an die Spitze der Modehäuser geschafft! Er ist Art Director bei Balenciaga und Gründer des Labels Vetements. Viele junge Designer blicken auf ihn hinauf und sehen in dem 36-Jährigen ein echtes Genie! Bei dem Vogue Paris Fashion Festival 2017 haben wir Demna Gvasalia in einem exklusiven Interview mit Loïc Prigent gesehen! Unsere Studenten Güray Gercekci und Kristupas Linkevicus stellen für uns alle wichtigen Fakten rund um das Event zusammen:

Vogue Paris Fashion Festival 2017 mit Demna Gvasalia

Das Interview war eines der Ersten, die Demna Gvasalia seit seinem Wechsel zu Balenciaga gegeben hat, was vielleicht auch erklärt, warum er recht schüchtern und angespannt wirkte. Er erzählte viel über die Kollektionen, seine Designs und wie er verschiedene Dinge miteinander kombiniert. Besonders beeindruckt war unser Student Güray von seiner lockeren und freien Art, wie er sich verrückte Sachen aussucht, die er machen möchte. Beispielsweise das Tabu-Thema Crocs!

© Balenciaga | Balenciaga x Crocs

Völlig frei Schnauze und fasziniert

Wir kennen sie alle – Die Schuhe, die keiner wirklich modisch findet oder gerne in der Öffentlichkeit tragen möchte. Sie sind beliebt bei Krankenpflegern oder Hausfrauen, die viel im Haus hin und her laufen, doch wer möchte die gefühlt überdimensionalen Plastik-Schuhe wirklich haben, wenn es doch so viele schöne Alternativen gibt? Dinge wie diese stellt Demna Gvasalia infrage und sieht darin eine Motivation, die Dinge zu verbessern und in das richtige Licht zu setzen. „Warum Crocs? Er hat es gemacht, weil er Bock drauf hatte und es einfach nur geil war!“ , so Güray.

© Vetements

Normale Menschen wie du und ich

Ein weiteres Thema des Interviews waren seine Models. Zum einen wurde der Skandal angesprochen, dass das Haus Balenciaga fürchterlich mit seinen Models umgehen würde. Dies hat der junge Designer nicht verneint, was aber auch bereits wohlmöglich jeder in dem Raum vermutete. Doch der Skandal wurde zuvor von dem Modehaus förmlich entschuldigt und die Arbeitsbedingungen sollen sich rapide verbessern. Zum anderen viel auf, dass die ausgewählten Models sehr ungepflegt und untypisch wirkten.

Güray war von der Reaktion von Demna Gvasalia sehr fasziniert: „Die Klamotten sind auf die Typen abgestimmt und nicht die Typen auf die Klamotten! Wenn das Team durch die Straßen geht, dann fragen sie einfach die Leute, die sie treffen, ob sie modeln wollen. Das sind oftmals Fremde, aber auch Leute aus dem Freundeskreis. Normale Menschen, wie du und ich.

© Vetements

Was man nicht immer von erfolgreichen Designern vermutet – Demna Gvasalia erschien zu seinem Interview in einem Outfit, das vollkommen alltäglich und „normal“ war. Er war weder aufgetakelt, noch sonderlich förmlich! Auch das Publikum konnte erscheinen, wie es Lust hatte. „Man selber, als Designer, muss nicht immer sonderlich auffallen oder sich in die feinsten Dinge zwängen, weil die Menschen es von einem erwarten würden. Ich habe für mich gelernt, dass es total unwichtig ist, wie du selber aussiehst. Demna Gvasalia war einfach unfassbar bodenständig!“ , so Kristupas.

Er kam zum Interview, als ob er zu Hause kurz etwas drüber gezogen hätte, dann zum Interview fuhr und danach weiter zog. Er hatte auch nur wenige Dinge von Balenciaga an, was man auch nicht zwingend erwarten würde. Sein Style war eher total vintage, als würde er in einem Second Hand Store shoppen. Seine Jacke war absolut genial: Er trug eine schwarze Lederjacke, die extrem abgenutzt aussah. Aber sie war schon so abgenutzt, dass es wiederum cool aussah! Er war einfach total entspannt. Er schminkt seine Models auch nicht. Er macht nur ein bisschen Puder drauf. Sie sollen so sein, wie sie sind. Und so ist er auch!“ , ergänzt Güray.

Die zwei Studenten haben ein Grinsen und Funkeln in den Augen, dass man wirklich das Gefühl bekommt, Demna Gvasalia gibt ihnen einen gewissen Halt und sie können sich selber mit ihm identifizieren!

© Balenciaga

Protest gegen die Innovation

Ein besonderer Augenblick fasste die gesamte Aufmerksamkeit des Raumes! Coqueline Courrèges, Witwe von André Courrèges, der das Modehaus Courrèges gründete, ging mitten im Interview nach vorne zur Bühne und protestierte mit Plakaten gegen die Kering-Gruppe! Diese stehe angeblich kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen, eine wesentliche Anteilsbeteiligung dem französischen Modehaus zu erwerben. Die Marke ist für ihren futuristischen Stil berühmt. Sie rief dem Kering CEO François-Henri Pinault zu, dass sie es nicht möge, was er mit Balenciaga gemacht hat, denn dies wäre abscheulich. Sie möge die Vorstellung nicht, was er mit Courrèges vorhaben könnte. Die Moral und auch der Stil würde durch ihn verloren gehen. Dabei trug sie ein Schild in ihren Händen, das auf einer Seite das Logo von Balenciaga trug und auf der anderen Seite nackte Frauen zeigte. Während die Dame von der Security abgeführt wurde, gab Pinault leise zu, dass er stolz auf das wäre, was er bislang geschaffen habe.

Zu Innovationen im Fashion-Business hat Demna Gvasalia eine ganz eigene Meinung: „Man soll die alte Mode nicht anpassen, sondern neu erfinden. Junge Käufer bekommen so die Chance, etwas Eigenes daraus zu machen.

Güray vergleicht Demna Gvasalia in diesem Moment mit Olivier Rousteing: „Bevor sie in diese großen Unternehmen kamen, kannte sie kaum jemand. Sie beide haben einen frischen Wind in ein altes Label gebracht. Die Marke bekam so einen richtigen Push und das Frauenbild von Balenciaga wurde schlichtweg neu interpretiert, was auch einfach gut ist! Es ist viel innovativer und wir sind es einfach satt immer nur an das festzuhalten, was man sich vor Jahren mal überlegt hat. Wir wollen uns nicht an Dingen festhalten, mit denen wir uns selber nicht identifizieren. Deshalb ist die Reaktion von Demna Gvasalia auf den Protest von Coqueline Courrèges auch völlig gerechtfertigt!

Die große Frage

Das Event war ein voller Erfolg! Die Studenten haben ihr Vorbild hautnah gesehen und einen persönlichen Einblick in die Welt des Designers bekommen. Was wir zudem erfahren haben ist, dass Demna Gvasalia in Düsseldorf gelebt hat und seine Familie noch immer regelmäßig besuchen kommt. Ob er wohl demnächst auch bei uns im Fashion Design Institut vorbei schauen wird?