Ikat – Ein Seidenmuster erobert die Welt

Was wäre Mode, wenn nicht jede Ware ihren eigenen Charakter hätte?

In Kambodscha wird Tradition sehr groß geschrieben: Ikat ist eine der besonderen Handweberei-Arten, die noch bis heute Bestand der Textilherstellung ist.

Eine echte Rarität

Nur noch sehr wenige Menschen beherrschen das wunderschöne Handwerk. Es ist ein sehr zeitintensiver und aufwendiger Prozess am Webstuhl. Hierbei werden feine Musterungen nicht durch die Webart, sondern durch die vorherige Färbung des Garnes erzeugt. Das Resultat ist eine melierte, verschwommene, bunte Musterung mit ungeraden Konturen, die nur auf Seide oder Baumwolle hergestellt werden kann. Das Wort „Ikat“ kommt aus Indonesien und bedeutet „knoten, binden.“ Mit der Zeit hat der bei dem Webprozess erzeugte Stoff die Bezeichnung Ikat für sich gewonnen. Es ist eine der ältesten Techniken, welche in Ländern wie Japan, Malaysia, Kambodscha, Indien und der Türkei ausgeübt wird.

© Dries Van Noten

Alle Zeit der Welt

Die Kambodschaner legen besonders viel Wert auf Nachhaltigkeit und Natürlichkeit. Bei der Ikat Handweberei werden Farben durch sehr zeitaufwendige, natürliche Materialien erzeugt, wie zum Beispiel das Anreichern mit Blättern, um dem Stoff eine sanfte Farbe zu verleihen. Dabei ist die Farbherstellung sehr umweltschonend und komplett frei von Radikalen.

© Khmer Artisanry

Wie funktioniert Ikat?

Die zu verarbeitenden Fäden werden auf einen speziellen Rahmen gesponnen, auf dem die Fäden vor dem Färben gebunden werden. Die Breite des Rahmens ist für jeden Musterweber anders. Die Fäden werden zunächst zu Bündeln zusammen gefügt, dann werden sie gemeinsam in einen Farbstoff getaucht. An den Stellen der Abbindung bleibt der Stoff weiß. Wenn der Stoff mehrere Farben haben soll, wird der Stoff wieder auf einen Rahmen gezogen, erneut gebunden und zum zweiten Mal gefärbt. Die Fäden werden zuletzt entfernt und für die Verarbeitung auf einen Webstuhl gespannt.

Nicht nur nachhaltig, sondern auch sozial

Besonders in Provinzen oder ländlichen Gebieten weben Frauen zu Hause an ihren Webstühlen. Man mag nun glauben, dass dies schlecht für das Geschäft sei, doch dem ist nicht so: Speziell Designer und anderweitige Organisationen halten die Tradition der Handweberei aufrecht und unterstützen Frauen bei ihrer Arbeit. Durch die gegenseitige Hilfe werden somit Jobs vermittelt und die Traditionen aufrecht erhalten. Und das Beste daran? Durch die Arbeit von zu Hause aus, können Frauen ihre Kinder behüten und müssen nicht auf ihren regelmäßigen Erwerb verzichten. Neben dem künstlerischen Erbe wird also auch der Lebensstandard in den Provinzen bestärkt.

Bei so viel Herz und Leidenschaft können wir nur staunen!

© Dries Van Noten

Ikat in der modernen Welt

Das Motiv von Ikat ist weltweit sehr gefragt. Es wird aktiv in den Bereichen des Mode-, Interior- und Textildesigns verwendet. Neben den traditionellen Textilarten sind zahlreiche vereinfachte Interpretationen entstanden: Drucke auf Baumwolle und Seide, die diese komplexe Technik nachahmen. Fälschungen werden durch Stempel hergestellt, welche sich durch die klare Linienführung am Rand des Musters unterscheiden. Bei einem originalen Ikat ist der Rand des Musters nämlich uneben und pulsierend.

 

Beitragsfoto: © Altuzarra