Der schmale Grat zwischen Avantgarde und Haute Couture

Schwarz, schwärzer, Tu Anh! 

Tu Anh Nguyen hat vor kurzem ihr Diplom als Internationale Fashion Designerin erfolgreich bestanden! Als ich nochmal reflektierte, was für Werke sie vollbracht hat, fiel mir auf, dass all ihre Kreationen einen roten Faden haben – Oder eher einen Schwarzen! Die Design Newcomerin liebt alles Dunkele, das den Fokus auf Formen und Schnitte legt. Was auch auffällt – In all ihren Kollektionen finden wir Schnüre wieder. Das mit dem schwarzen Faden kommt also nicht von irgendwo! Zudem lässt sie durchgehend asiatische Elemente einfließen. Doch bei all den schönen Outfits kommt mir eins da direkt in den Kopf: Ihr avantgardistische Haute Couture Kleid!

Was macht das Kleid so besonders?

Tu Anh, oder auch Secmec, hatte während ihres Studiums die Aufgabe, ein Couture Kleid zu fertigen. Puh, eine Herausforderung für die Avantgarde-Liebhaberin. Nun muss sie doch tatsächlich etwas Graziles, Elegantes zaubern, obwohl ihr eigentlich nach Minimalismus, Extravaganz und Formensprache ist. Dennoch wollte sie während ihres gesamten Studiums, dass alle Designs am Ende wie eine riesige Kollektion zusammenpassen würden, daher war die Frage nach bunten, zarten Kleidchen mit Stickereien oder Steinchen komplett abwegig. Doch Handarbeit war Pflicht!

Was nun?

In Bezug auf ihr Gesamtkonzept, hat sie sich überlegt, etwas Neuartiges zu schaffen. Sie suchte nach Inspirationen und überlegte, wie sie ihre Fadenkonstruktionen einbringen könnte. Somit testete sie unterschiedlichste Dinge aus, entschied sich jedoch zum Schluss für Glanz, Weichheit und einen eleganten Schwung, damit das Couture-Konzept aufging. Doch wer hätte geglaubt, dass sie Haare verwendet? Glücklicherweise können wir von Kunsthaaren sprechen. Was mir aber auffällt: Die junge asiatische Designerin selber hat sehr lange, dicke Haare! Ob dies wohl mal wieder ein kultureller Gedanke war? Zudem hat sie eine anmutige, aber zugleich engelsgleiche Form für ihre avantgardistischen Züge gewählt. Ob sie wohl den schmalen Grat zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle oder Eleganz und Extreme infrage gestellt hat? Das Outfit lässt jedenfalls sehr viel Raum für eigene Interpretationen. Und wie gefällt es euch?

© Christin Snyders