Empire – Trend oder Tod?

Frei sein – Das wollen wir alle. Aber was ist, wenn diese Freiheit zu unserem Verhängnis wird?

Die Empire-Mode kommt heutzutage immer wieder zwischendurch ans Licht. Doch warum ist diese eigentlich so gefährlich?

Empire – Mehr als nur ein Trend

Die Epoche der Empire-Mode gilt als richtige Revolution der Damenbekleidung. In der Zeit rund um Ende 17. bis Anfang 19. Jahrhundert waren alle verrückt nach der Antike. Frauen wollten unbedingt wie wunderschöne griechische Statuen aussehen. In Paris könnte man auf Männer treffen, die knielange Tunika trugen und in Römersandalen durch die Gassen der Stadt schlenderten. Worin sie ihr Vorbild sahen, was kaum zu übersehen! Wer etwas von sich hielt und sich traute, der schmiss die „unmodischen“ Korsetts, Reif- und Unterröcke weg! Es war beinahe eine Rebellion: Die Damen trugen seitdem hautfarbene Trikots, so wie man sie heutzutage vom Ballett kennt. Einige verzichteten auch komplett auf Unterwäsche! Das war zunächst natürlich ein absoluter Skandal!

Belächelt und mit Farbe verewigt

Frauen sehnten sich einfach nach einer freieren Bekleidung. Sie hatten es satt sich einzuengen und wollten wie in der Antike, luftige, lockere Kleidung tragen, die dennoch etwas für das Auge hergab! Natürlich schafften sie es auch hierbei zu übertreiben und so entstanden mit der Zeit etliche Karikaturen! Hier könnt ihr ein Paar sehen!

Nackt sein!

Das war der Hauptstandpunkt der Gesellschaft, denn was ist freier, als die Nacktheit? Man warf den Frauen vor, sie würden komplett verrückt sein und jeglichen Scham verlieren. Sie trugen weiße, transparente Kleider, als wären sie der Marmor einer jeden griechischen Statue. Die Form des Kleides ähnelte einem griechischen Peplos und einer Chiton, die oft einen hohen, seitlichen Schlitz hatte, wodurch die darunter getragene Trikothose sichtbar wurde. Wer es ganz gewagt mochte, der zeigte das ganze Bein. Nackt, versteht sich. – Was auch sonst?

„Madame, haben Sie nicht geschafft sich anzukleiden?“

Nicht nur nackt, sondern auch nass

Simple durchsichtige Seiden- und Baumwollstoffe waren den Damen nicht genug. Um extremer zu sein und die Rebellion voran zu treiben, machten sie ihre Kleidung nass, sodass diese den Körper umschlang und noch mehr zeigte, als es einem beinahe lieb wäre. Die antike Silhouette war nicht von allen verehrt. Natürlich gab es auch Gegner!

Das Korsett war weg und was nun?

Frauen wirkten plötzlich wie kleine Buben. Nicht jede Frau konnte behaupten, dass sie viel vorzuweisen hätte und somit gab es schon damals die Idee, sich Abhilfe zu schaffen: Künstliche Brüste, Waden und vieles mehr wurden ins Leben gerufen!

„Madame, habt Ihr das verloren?“

Mit der Zeit wurden in der Empire-Modeszene auch Hüte mit ganz langer Krampe modern. Sie waren so gigantisch, dass sie fast das ganze Gesicht verdeckten.

Durch den Gedanken, dass die Frauen von schwerer, unbequemer Unterwäsche befreit werden müssten, kam es in der Empire-Mode zu einem ganz anderen Extrem: Ärzte waren besorgt, dass viele Frauen leiden würden und sich die Bronchien durch die viele Nacktheit und Nässe entzündeten. Somit kamen tatsächlich Frauen häufig um ihr Leben! Wahnsinnig, dass ein befreiender Lebensstil einem letztendlich das Leben kosten kann.

Wir bekommen einfach nicht genug

Das Pariser Mode-Magazin „Journal des modes“ schlägt im Jahre 1802 seinen Lesern vor, einen Friedhof zu besuchen, um all die Opfer zu sehen, die noch unter 30 Jahren an der Mode starben. Trotz aller bestürzter Ärzte und Pfarrer, sowie verpönender Karikaturen, wurde die Empire-Mode immer wieder modisch und ist bis heute sehr beliebt bei Historikern und Designern. Welch Ironie, dass ein so gefährlicher, wahrhaftig unschöner Stil doch etwas so Inspirierendes und Schönes erzeugen kann.