Kein Jahr ist so ereignisreich wie das Letzte

Das letzte Jahr ist für Studenten am FDI immer sehr spannend: Es geht raus in die Modewelt für ein Praktikum und im Anschluss wird schon die Abschlusskollektion produziert. Mareike Schäfer sieht das ganz gelassen und erzählt uns persönlich, mit welchen Hürden und einer Menge Spaß sie diese intensive Zeit meistert!

Nein, Fashion Design besteht nicht nur aus Zeichnen und Nähen. Es gibt sehr viele aufregende Bereiche, in denen man sich als Jungdesigner einbringen kann. Unsere Studentin Mareike Schäfer ist ein gutes Beispiel dafür: Sie hat vor kurzem ein Praktikum absolviert, in dem sie sehr viele interessante Abteilungen kennengelernt hat. Neben dem Atelier gibt es extrem viel in einem Modeunternehmen zu entdecken. Was genau sie dort machen durfte, erfahrt ihr in diesem Interview!

© Marymshepard

Die Leidenschaft zum Beruf

Inna: Liebe Mareike, nicht alle Wege führen strikt geradeaus. Erzähl doch mal, wie bist du an die Mode gelangt?

Mareike: Nach dem Abi ging es für mich auf direktem Wege an Universität hier in Düsseldorf um Kunstgeschichte zu studieren. Nach vier Jahren stellte sich die Frage, wie es für mich weitergeht. Kunst und Architektur sind bis heute meine beste und größte Inspirationsquelle. Was sich seither auch durch meine Kollektionen zieht (Zaha Hadid, Gerhard Richter oder auch der italienische Künstler Andrea Appiani). Kunsthistorik ist eine Geisteswissenschaft, somit am Ende des Tages ein rein theoretisches Fach und mir fehlte der handwerkliche Aspekt. Dank meiner Oma kam ich sehr früh in Kontakt mit der Nähmaschine. Als kleines Mädchen saß ich neben ihr und schaute zu. Während der Schulzeit gab es dann die erste eigene Maschine! 2014 wurde dann von mir ein kurzer Prozess gemacht: Bewerbungsmappe fertig gestellt, Termin zur Besprechung vereinbart und damit war die Sache klar, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf mache. Bis dato die beste Entscheidung! 😉

Inna: Du hast vor kurzem ein Praktikum bei Talbot Runhof absolviert. Erzähl doch mal, warum hast du dir speziell dieses Unternehmen in München ausgesucht?

Mareike: Zum Einen habe ich mich für Talbot Runhof entschieden, da dieses eines der wenigen deutschen Unternehmen ist, das ausschließlich hier produziert und seit mehr als 20 Jahren auf internationale Erfolge zurückblicken kann. Der andere Grund ist, dass sich alle Unternehmensbereiche an einem Standort befinden und ich somit die Möglichkeit hatte, mal in alle Bereiche reinzuschauen und Wissen mitzunehmen.

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Inna: Wie sah dein Alltag aus? Was waren deine Hauptaufgaben und was hat dir am meisten Spaß bereitet?

Mareike: Der Schwerpunkt meines Pflichtpraktikums lag in der CAD (digitale Schnittkonstruktion), der Produktion und dem Atelier. Diese drei Bereiche in Kombination gestalteten meinen Tagesablauf sehr abwechslungsreich. Ich habe von den anfänglichen Entwurfsskizzen über die Schnitttechnik, Stoffauswahl, Musterteilanfertigung bis hin zum fertigen Kollektionsteil und Lookbookshooting alles hautnah mitbekommen. Darüber hinaus auch die Abteilungen PR, Client Relation sowie den Vertrieb. Gerade Vertrieb und Produktmanagement sind sehr interessante und wichtige Aspekte, die ich bis dato so noch nicht kannte und mir sehr viel neues Wissen aneignen konnte.

Inna: Du hast an vielen Kleidungsstücken Hand anlegen dürfen. Gibt es auch ein Design, wo du sagst, es ist „dein Schätzchen“?

Mareike: Ich habe die gesamte Resort Kollektion 2018 und die exklusive Cruise Collection für Hapagg Lloyd bzw. der MS Europa 2 begleitet. Da ich an vielen Kleidern schnitttechnisch mitgearbeitet habe und teils im Atelier genäht habe, hat man ganz selbstverständlich eine gewisse „Beziehung“ zu den Kleidern auf. Dadurch dass ich auch die Vor- und Nachbereitung für die Retailer gemacht habe, ging jedes einzelne, der knapp 250 Kollektionsteile, durch meine Hand. Und gerade die Kleider, bei denen ich an den Ärmelanlagen mitgearbeitet habe und Drapierungen modifiziert habe, wurden zu Schätzchen – Ja!

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Eine aufregende Zeit

Inna: Was war der aufregendste Moment während deiner Zeit bei Talbot Runhof?

Mareike: Bei einem Label wie Talbot Runhof erlebt man eine Menge in vier Monaten. Für mich waren jedes Mal die Produktionsfittings am aufregendsten. Man muss sich den Ablauf so vorstellen, dass ich mit dem jeweiligen Schnittmacher im Studio von Johnny und Adrian war und die Musterteile, die frisch aus dem Atelier kamen, an Fittingmodels präsentiert wurden. Die Besprechung der einzelnen Designs war super interessant. In kleiner Runde wurde die schnitttechnische Umsetzung sowie Farb- und Stoffauswahl besprochen, im Zuge dessen auch Elemente verändert. Je näher die Abgabe der Kollektion rückte, desto mehr Termine zum finalen Produktionsfitting standen auf dem Tagesplan.

Inna: Kannst du nach vier Monaten bei Talbot Runhof ein Fazit ziehen?

Mareike: Klaro, ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass das Pflichtpraktikum mir für meinen weiteren Weg sehr positiven Input gegeben hat. Beim ersten telefonischen Kontakt hatte ich schon ein gutes Gefühl und als ich im Januar 2017 mit meinem Portfolio zum Vorstellungsgespräch vor Ort war, hat sich dies nur bestätigt. Jedem Modedesignstudenten würde ich Talbot Runhof als Untenehmen für ein (Pflicht-)Praktikum empfehlen. Es ist interessant, anspruchsvoll, kreativ und für die eigene Weiterentwicklung hilfreich. Im normalen Arbeitsalltag und auch bei Teamevents spürt man die gute familiäre Atmosphäre, die dort herrscht. Summa Summarum: Jederzeit wieder!

© Marymshepard

Inna: Du machst schon bald deinen Abschluss am Fashion Design Institut. Gibt es neues Wissen, das du durch dein Praktikum für deine Abschlusskollektion vorteilhaft anwenden kannst? Verrätst du uns, worauf wir gespannt sein dürfen?

Mareike: Oh ja, der Countdown läuft und die Zeit rennt nur so. Ich habe sogar sehr viel Gutes und neues Wissen aus München mitgenommen, das ich so gut es geht täglich versuche anzuwenden. Es sind die vielen kleinen Abläufe, die den Arbeits- und Designprozess ungemein erleichtern. Das A und O ist aber tatsächlich das Zeitmanagement und dass man sich nicht von seinem Weg abbringen lassen soll. Was meine eigene Abschlusskollektion angeht, möchte ich noch gar nicht allzu viel vorwegnehmen. Es wird eine DOB-Kollektion mit viel Transparenz, Perlen und die Farbe Weiß wird eine große Rolle spielen.

Inna: Liebe Mareike, ich bin begeistert, wie viel du innerhalb der kurzen Zeit mitnehmen konntest und wie positiv deine Entwicklung voran geht. Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen Abschluss und bin schon ganz gespannt, mit welchen Looks du uns in diesem Semester überraschen wirst.

© Marymshepard | © hl-cruises.de

Beitragsfoto: © Sven Baenziger