Von einer alten Jeans zur trendigen Kollektion

Das interessante Praktikum von Maj-Britt Kreft in London

Wir sind immer total gespannt, wenn unsere Studenten aus ihrem Praktikum kommen und viele interessante Sachen zu erzählen haben! Genau so war es auch bei unserer Studentin Maj-Britt Kreft, die sich aktuell im Abschlusssemester befindet. Ihre tollen Erfahrungen wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten!

Wo hast du dein Praktikum absolviert?
Ich war bei Natalie Ballout in London. Sie ist 25 und hat eine ganz interessante Familiengeschichte. Sie ist halb Schwedin, halb Libanesin, in Dubai aufgewachsen und hat später auf dem Central Saint Martins in London ihren Abschluss gemacht. Ihr Hauptthema ist Upcycling Denim und Sustainable Fashion. Das heißt, dass sie nur mit alten Levi’s Jeans arbeitet, die sie entweder von Levi’s selbst oder von Kunden bekommt. Die werden komplett zerschnitten, woraus dann ihre Meterware entsteht. Die verarbeitet sie dann noch weiter, denn sie werden modifiziert, durchs bleichen zum Beispiel. In der letzten Spring/Summer Kollektion war das so, dass sie die Sachen erst geblichen hat und hinterher in Kaffee eingelegt hat. Dadurch ist ein sehr interessanter Beige-Ton entstanden. Dadurch entstehen auch immer unterschiedliche Muster, jedes Teil wird anders.

War es für dich eine Herausforderung, mit alten Jeans zu arbeiten?
Eine Herausforderung war es, dass zum Beispiel ein Hosenbein nicht viel Stoff hat. Wir haben also keine laufende Meterware, sondern arbeiten nur mit dem Hosenbein. Dementsprechend müssen auch die Schnitte angepasst werden. Das war auch für mich super interessant zu sehen, weil gerade da die Kalkulation ganz anders ist. Es besteht zum Beispiel ein einziges Oberteil aus 4 oder 5 Hosenbeinen, weil man die Schnitte anpassen und kürzen muss. Gerade da legt man viel mehr Wert auf die Kalkulation, weil man so viel wie möglich versucht, aus einem Hosenbein rauszubekommen. Jedes kleine Reststück wird dann verwertet. Sogar die Seitennähte werden verarbeitet, um Träger für ein Top zu machen. Es war wirklich interessant, dass man am Ende gar nicht mehr gesehen hat, dass es mal eine Jeanshose war.

Was kannst du uns über ihre aktuelle Kollektion verraten?
In der jetzigen Spring/Summer Kollektion ist es so, dass sie ihre Familiengeschichte versucht hat zu vereinen. Die Stickereien sind alle komplett handgemacht. Die hat sie selbst abgezeichnet mit der linken Hand, obwohl die Rechtshänderin ist. Ohne hinzugucken hat sie ein Foto von ihrer Großmutter abgezeichnet, wobei total abstrakte Zeichnungen bei rausgekommen sind. Die wurden dann per Hand mit einem schwarzen Faden auf die Kleidung gebracht und hinterher per Hand bestickt. Das war schon echt cool! Mit der aktuellen Kollektion war sie das erste Mal bei der Mailänder Fashion Week und hatte eine Kooperation mit Swarovski und mit Vogue Talents.

Was waren deine Aufgaben während des Praktikums?
Ich habe für Natalie eine Taschenkollektion entworfen. Das war an meinem ersten Tag! Ich kam rein und sie hat mir direkt gesagt, dass ich Taschen für sie entwerfen soll. Innerhalb von 3-4 Stunden habe ich dann 70-80 Entwürfe gezeichnet, welche wir dann alle zusammen durchgegangen sind. Sie hat sich dann vier ausgesucht, die ich dann letztendlich mit ihr zusammen umgesetzt habe. Hier und da wurde dann noch was geändert, aber ansonsten wurden sie genau so realisiert.
Bei der Kollektion war das auch so, dass sie ganz viel mit Raffungen gearbeitet hat und da war es auch total schwierig, eine Jeans zu raffen. Das war eine echte Herausforderung!
Ich durfte dort wirklich alles machen. Zuschnitt, Denim bleichen, mit Kaffee einfärben, nähen und am Ende auch bei den Bestickungen helfen. Das war auch das erste Mal, dass ich so richtig das Sticken gelernt habe.

Was war sonst noch neu für dich?
Als es nach Mailand ging, waren die Buyer-Listen für mich komplett neu. Das bedeutet, dass ich die komplette Kollektion für sie kalkuliert habe. Dann habe ich für sie auch die technischen Zeichnungen entworfen, die mit auf die Buyer-Listen kommen. Das hat auch richtig gut geholfen, da im Praktikum jedes einzelne Fach vertieft wurde. Gerade bei technischen Zeichnungen habe ich vor meinem Praktikum ca. 3 Stunden gebraucht und dann hatte ich dort alle 6 Looks, das waren 15 Teile, innerhalb von 2 Tagen fertig. Da merkt man schon, dass es total hilft, wenn man vorher schon über alles Bescheid weiß. Das war echt total cool, weil ich in jeden Bereich mit reingucken konnte und wirklich mithelfen konnte.

Was konntest du während des Praktikums umsetzen, was du am FDI schon gelernt hast?
Alles! Da war ich sehr erstaunt! Ich habe dort auch die Fertigung und Schnitte gemacht. Die Schnitte wurden erst von einer anderen Praktikantin aus Frankreich gemacht, aber die waren nicht so gut und die Passform stimmte überhaupt nicht. Natalie war dann am verzweifeln, weil wir alles hätten neu machen müssen. Aber hier am Institut haben wir gelernt, wie man Schnitte so ändern kann, dass es wieder passt. So konnte ich die Schnitte noch retten, das war echt cool und super praktisch!
Auch beim Fotoshooting habe ich bei der Vorbereitung mitgeholfen und beim Shooting selbst auch assistiert. Da war es auch praktisch, dass wir am FDI schon viele Shootings selbst gemacht haben, sodass ich genau wusste worauf es ankommt und was man braucht. Da haben Natalie und ich viel zusammengearbeitet und sie war froh drüber, dass dort jemand mit drauf geguckt hat.

Wir sind total begeistert, wie viel Gelerntes Maj-Britt während ihres Praktikums umsetzen konnte! Eine solche Vorbereitung bietet den idealen Einstieg ins Berufsleben, welche durch so ein tolles Praktikum nochmals vertieft wird!
Es bleibt auf jeden Fall spannend, ob Maj-Britt etwas von ihrem gefestigten Wissen in ihre Abschlusskollektion einbringen wird! Wir wünschen ihr dafür viel Glück!

Instagram: @majdesign
Homepage: majbrittkreft.de